Plattform

Die Heldenreise

Auf unserer Website veröffentlichen wir Texte, die im Rahmen unseres Studiums entstanden sind. Ob kreative Schreibaufgaben, Rezensionen, Gedichte: Lasst eure Werke nicht in der Schublade verstauben. Schickt sie uns!

Schon wieder verschlafen..Mist..So kann das doch nicht weitergehen! Ich stehe zuerst einmal auf. Schließlich sind es nur noch wenige Tage bis zum Sonnenfest. Ich muss mich doch noch vorbereiten. Allerdings ist das Aufstehen in einem dunklen Zimmer nicht gerade einfach, denke ich, während ich mit dem Fuß an meinem Bett hängen bleibe und mein Kopf gegen den Schrank kracht. << Diese verdammte Dunkelheit! Ich halte das nicht mehr aus! >> Ich schreie meine Wut heraus. Leider wohnt niemand mehr hier. Meine Familie ist längst ausgezogen. Genau wie fast alle anderen Familien. Versteht mich nicht falsch, ich meine natürlich meine Menschenfamilie. Als die Sonne verschwand, zogen sie ja alle weg. Ich kann es ihnen auch nicht verübeln. Nur konnte ich natürlich nicht mitgehen. Ein Heinzelmann hält die Stellung! So lautet das Sprichwort und es wird wohl seinen Sinn haben.

Bis ich meine Taschenlampe gefunden habe und das Haus verlassen kann, ist es schon halb eins. Dabei gehört es sich einfach nicht, nach elf Uhr die offene Straße zu betreten. Aber es kann mich ja eh kein Mensch sehen. Mal wieder bin ich auch gar nicht der einzige auf der Straße. Überall sehe ich Lichter von Taschenlampen oder sogar von manch wagemutigem Autofahrer aufblitzen. Wenn wir doch wenigstens Straßenlaternen oder andere Elektrizität hätten. Aber woher soll der Strom kommen, wenn die Braunkohlebagger doch viel zu groß für das kleine Volk sind. Und Solarzellen funktionieren ohne Sonne bekanntlich ja auch nicht.

Ich bin durch irgendeinen seltsamen Zufall unbeschadet am Kölner Haupfbahnhof angekommen , auch wenn ich ab und zu seltsame Geräusche und teilweise auch Schreie gehört habe. Irgendwer nutzt die Dunkelheit gewaltig aus, um uns zu schaden. Dabei sehen die meisten von uns doch ganz gut im Dunkeln. Ich schlüpfe durch die angelehnte Tür. Ab ins fünfte Untergeschoss! Auf meinem Weg treffe ich Anders, der wohl auch verschlafen zu haben scheint.

<< Na dann bin ich ja wohl nicht als einziger zu spät? >>

<< In dieser verdammten ewigen Dunkelheit wird man ja auch nicht mehr wach. Damals die alten Heinzelmännchen vielleicht, aber ich glaube mittlerweile kann ich gar nicht mehr ohne Wecker in meiner Schlafnische aufwachen. Und der braucht ja Strom. >> Auch Anders scheint es zu gehen wie mir. Wir beeilen uns ein wenig, sind allerdings die letzten bei der Versammlung in Raum 5.21. Als wir leise die Tür öffnen, tönt uns direkt die starke Stimme von Maximus entgegen: << Natürlich sind es wieder unsere Jungspunde! Kommt herein, auch wenn ihr noch später als gestern seid! >>

<< Entschuldigung Herr Heinzelmeister, Ihr wisst, die Sonne, der Strom..>>

<< Genau darüber reden wir gerade. Und wir freuen uns, dass ihr beide euch bereitwillig dazu erklärt, etwas dagegen zu unternehmen. Purzel und Anders, ihr werdet die Sonne bis zum Sonnenfest wiederbringen. Wir alle zählen auf euch! >>

<< Ah..aber…Moment.. >>

<< Wenn ihr Fragen habt, wendet euch an euren Siegfried. Er wird euch auch mit Ausrüstung versorgen und den weiteren Auftrag erläutern. So, und nun ab mit euch. Fünfzehn Tage sind nicht sehr viel Zeit. >>

Damit scheint die Sache für ihn erledigt. Er ignoriert uns und spricht wieder zur Ratsversammlung über andere Probleme. Bevor ich noch mehr herumstammeln kann, nimmt Anders meinen Ärmel und zieht mich hinaus. Nach kurzer Zeit folgt auch endlich unser beider Siegfried. Ein Siegfried ist der Titel für einen sehr weisen Heinzelmann. Er setzt an, uns alles zu erklären: << Dass sie ausgerechnet euch beide dafür ausgesucht haben. Ich fasse es nicht. So Unzuverlässige wie ihr es seid. Naja, lassen wir das. Der geheime Rat hat mittlerweile feststellen können, dass die Sonne in anderen Regionen durchaus noch scheint. Warum das so ist, müsst ihr selber herausfinden. Ich vermute, es liegt daran, dass sich die Vulkanasche von dem Vulkanausbruch auf Island irgendwie hier in unserer Region verdichtet hat. Wie, das entzieht sich auch unserer Kenntnis. Wir wissen aber, dass in allen Himmelsrichtungen die gleichen Gebäude stehen. Sie alle tragen das Symbol der Nacht. Findet heraus, was es damit auf sich hat und wie man dagegen vorgehen kann. Und kommt später noch zur Werkstatt, dort liegen bereits eure gepackten Rucksäcke. >>

<< Siegfried, das ist ja alles schön und gut. Aber warum wir beide? Wir haben doch gar nichts verbrochen. >>

<< Nun, der Rat hat entschieden, dass ihr mittlerweile alt genug seid, um eure Prüfung zu bestreiten. Und gleichzeitig gibt es wichtige Aufgaben für die Erfahreneren. Wir müssen den Strom wieder in Schwung bringen. Und gleichzeitig müssen alle Menschen ausfindig gemacht werden. Schließlich schwächt es uns, zu lange ohne Menschen zu leben. Das wisst ihr genau so gut wie ich. Wir passen derweil auf eure Häuser auf. >>

<<Na gut, wir werden dann mal zur Werkstatt gehen und unsere Reise vorbereiten. Komm Purzel! Auf ins Abenteuer! >> Anders scheint ganz begeistert von dem Plan zu sein, so euphorisch wie der klingt. Ich bin da ein bisschen skeptischer, folge ihm aber natürlich. Was bleibt mir auch anderes übrig? Es wurde ja sowieso alles entschieden, ohne dass mich jemand nach meiner Meinung gefragt hat. Ich richte also meine Taschenlampe auf den Boden vor uns und mache mich mit Anders auf den Weg zum Tunnel Richtung Süden. Natürlich müssen wir dafür zuerst ins vierte Untergeschoss. Schließlich ist das fünfte nicht für die geringeren Heinzel zugänglich, doch diese brauchen die Tunnel ja ebenfalls. Es ist ein ziemliches Glück, dass die Züge in den Tunneln auch mechanisch betrieben werden können. Dann kommen wir innerhalb von zwanzig Minuten zur großen Werkstatt.

Als wir durch die geheime Tür das Treppenhaus verlassen, hören wir laute Stimmen. << Was da wohl passiert ist? >>, frage ich Anders. Bevor er antwortet, dringt auch schon ein Geruch von etwas Verbranntem in unsere Nasen.

<< Auf jeden Fall nichts gutes. Los, gucken wir schnell nach! >>, sagt er, während wir losrennen um zu gucken, ob Hilfe gebraucht wird. Wie zu erwarten, stehen viele Heinzelmännchen vor den Tunneln und diskutieren, während sie sich ihre Bärte reiben und nachdenken. Überall sind Rauchschwaden in der Luft. << Ach du heiliger Kobold! Was ist denn hier passiert? >>

Einer der Umstehenden dreht sich zu uns um und erklärt: << Es gab ein Feuer in einem Haus, was direkt über dem Tunnel lag. Wir haben das Feuer jetzt gelöscht, aber den Tunnel kann man vorerst nicht mehr benutzen. Ihr wolltet hoffentlich nicht gerade mit dem Schnellzug fahren? >>

<< Doch, genau das hatten wir vor. Gibt es noch einen anderen Weg in die Werkstatt? >>

<< Ich fürchte nicht, ihr müsst wohl zu Fuß laufen, oder ihr wartet, bis wir den Tunnel repariert haben. Aber ohne elektrisches Werkzeug wird das wohl zwei Wochen dauern. >>

<< Zwei Wochen? Dann müssen wir wohl wirklich laufen. >>

Also steigen wir wieder an die Oberfläche und machen uns auf den Weg. Nach etwa einer Stunde erreichen wir dann die Werkstatt, ein großes Gebäude, in dem sich ein noch größerer Keller befindet. Unlogischerweise denken die Menschen, das Gebäude hätte gar keinen Keller. Da scheinen die Heinzelmännchen ein wahres Wunderwerk vollbracht zu haben. In der Werkstatt befindet sich ein zentraler Stützpunkt für unser Volk. Anders und ich klettern durch die Luke, die unter einer losen Fliese im Wohnzimmer versteckt ist und werden direkt begrüßt:

<< Da seid ihr ja endlich. Das hat aber lange gedauert. Kommt, hier sind eure Rucksäcke, gefüllt mit Werkzeug und Proviant. Hier ist der Schlüssel für das Auto, aber geht sparsam mit dem Benzin um. Ein paar Kanister hab ich euch aber netterweise noch in den Kofferraum gepackt. Da wir im Süden sind, fahrt ihr am besten zuerst einmal zu dem südlichen Ende der Dunkelheit. Findet heraus, was es damit auf sich hat und kommt mir bloß nicht wieder, bevor das Problem gelöst ist! So, und jetzt los mit euch. Ihr habt schon viel zu viel Zeit verschwendet. >>

Mit diesen Worten dreht er sich um und geht aus dem Raum. Wir stehen ziemlich verdutzt da.

<< Er hat sich noch nicht einmal vorgestellt. Wie unhöflich. >>

<< Ja, allerdings. Die scheinen alle den Kopf verloren zu haben. Warum ist diese Aufgabe denn plötzlich so wichtig. Vorher hat doch niemand an dem Problem gearbeitet. >>

<< Vielleicht ist denen auch aufgefallen, dass jemand das Problem lösen sollte. >>

<< Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder Purzel? Nach 2 Jahren ohne Strom fällt denen auf, mal etwas zu unternehmen? Was war denn vor 5 Jahren, als die ersten Menschen wegzogen und die Sonne verschwand? Hat da jemand darüber nachgedacht? Nein. Und jetzt plötzlich muss alles ganz schnell gehen? Ich sag dir was da los ist. Maximus steckt in der Klemme, weil jemand ihm einen Strick daraus drehen will, dass er Tatenlos zugesehen hat. >>

<< Das würde die Unfreundlichkeit und die Hektik erklären. Aber wenn jemand Maximus absetzen will, fällt das auch auf uns zurück. Das heißt, wir müssen uns beeilen. Nehmen wir unsere Rucksäcke und ab in das Auto. Hoffentlich hat es Licht. >>

Wir setzen uns also in das Auto und starten den Motor. Sofort flammen Scheinwerfer durch die Dunkelheit und wir kneifen unsere Augen zu. Nachdem sich unsere Augen an das Licht gewöhnt haben, geht die Fahrt los. Überall, wo wir entlangfahren, schrecken Heinzelmännchen und streunende Tiere entsetzt auf. Immerhin haben sie auch seit 2 Jahren kein starkes Licht mehr gesehen. Wir kommen immer mehr in den Süden der Stadt. Nachdem wir einige Zeit gefahren sind, werden wir Zeugen, wie sich drei Heinzel gegen fünf bewaffnete Nachtelben zur Wehr setzen. Einer der drei Heinzel liegt schon am Boden und ist Verwundet. Sofort fahren wir auf die Elben zu, die sich nur durch Sprünge zur Seite retten können. Natürlich haben wir keine Waffen griffbereit, also springen wir aus dem Auto und helfen den anderen beiden, den Verwundeten ins Auto zu schaffen, schließen die Türen und fahren davon.

<< Was war denn das gerade? Bewaffnete Nachtelben in der Stadt? Ich bin übrigens Purzel. >>

<< Ich bin Tom und das sind Felina und Wackel. Ihr beide habt uns wohl gerade das Leben gerettet. Danke! Gehört ihr zum Widerstand? >>

<< Widerstand? Welcher Widerstand? >> Anders versteht genau so wenig wie ich.

<< Na der Widerstand gegen die Nachtelben. Woher kommt ihr denn, dass ihr nichts mitbekommen habt? Wegen der Nachtelben ist es doch so dunkel. Sie haben diese riesigen Türme an den Enden der Stadt gebaut und damit halten sie irgendwie die Vulkanasche in einer riesigen Wolke über der Stadt. Das heißt, sie können Tag und Nacht über die Heinzel herfallen. >>

Ich verstehe das alles nicht so richtig. << Wieso sollten sie über die Heinzel herfallen? Das ergibt doch gar keinen Sinn. >>

Felina erklärt mir darauf hin die alte Feindschaft zwischen Heinzeln und Waldelben, während sie Wackels Wunden versorgt: << Diese Waldelben. Sie sind immer noch wütend darauf, dass die Heinzel vor zweitausend Jahren gemeinsame Sache mit den Menschen machten und die Stadt errichteten. Denn deswegen wurden Teile ihres Waldes abgeholzt. Aber wir brauchten nun einmal damals den Wald. Nun sinnen sie wohl auf Rache. >>

<< Das heißt, die Nachtelben sind der Grund für diese Dunkelheit? >>

<< Ja natürlich, sie haben ja sogar ihren Mond auf die Türme gemalt. Was meinst du, warum wir gerade gegen sie gekämpft haben? Dabei sind wir doch eigentlich nur Versorger und nicht Kämpfer. >>

Während unserer Unterhaltung fährt Anders weiter Richtung Süden. Plötzlich sehen wir Licht am Horizont auftauchen.

<< Sag mal Purzel, siehst du das? >>

<< Klar, da wird es hell. Ich dachte ja wirklich, die Dunkelheit hätte die ganze Welt befallen. Wir sehen endlich mal wieder die Sonne! Aber ist das da hinten nicht dieser Turm? Da steht auf jeden Fall ein schwarzes Gebäude, worüber sich die Dunkelheit sammelt! >>

<< Na dann nehmen wir mal Kurs darauf! >> Mit diesen Worten biegt Anders ab, genau in Richtung des Turmes. Schon bevor wir ankommen, bemerken wir einen Sicherheitszaun und parken daneben. Unsere neuen Freunde schließen sich uns an, nachdem wir erzählen, dass wir eine Lösung gegen die Dunkelheit suchen. Wackel erklärt sich bereit, im Auto zu bleiben und gleichzeitig per Fernglass darauf zu achten, dass wir keine Schwierigkeiten bekommen. Wir haben im Kofferraum zwei Handys gefunden, deren Akku aufgeladen ist. Gemeinsam brechen wir anderen den Zaun auf und laufen über das Feld.

<< Achtung! Da hinten steht ein Wächter. >>, schreit Tom und wirft sich auf den Boden. Die anderen folgen seinem Beispiel. Wir beschließen, über den Boden zu kriechen, da das Feld einen idealen Schutz gegen Blicke liefert. Also robben wir uns wie in einem Schützengraben vorwärts. Damit der Wächter so wenig Getreide wie möglich rascheln sieht, bewegen wir uns in einer Reihe hintereinander. Ich befinde mich sozusagen als Leiter der Mission als erster in unserer Schlange. Nach etwa 200 Metern halte ich an, um sowohl etwas nach Luft zu schnappen und um nach dem Wächter zu sehen. Aber bevor ich meinen Kopf ganz aus dem Getreide herausstecke, ducke ich mich direkt wieder. Der Wärter ist nur etwa zwanzig Meter zu unserer Rechten. Vorsichtig nehme ich meine Mütze ab und bedeute den anderen, es gleich zu tun und nun sehr leise zu sein. Wir robben sehr vorsichtig weiter. Nach einigen Metern gelangen wir an die Außenwand des Turmes und schleichen daran entlang bis zum Eingang. Mittlerweile ist es Abend und die Sonne scheint nicht mehr stark, weswegen wir uns ohne Angst vor dem Entdecktwerden an dem Schloss zu schaffen machen können. Heinzel besitzen genügend handwerkliches Geschick, um dies innerhalb von wenigen Minuten aufzubrechen. Unsere kleine Gruppe schlüpft hinein und Felina als letzte schließt die Tür wieder zu. Von dem Raum gehen mehrere Türen und eine Treppe ab. Nach einer kurzen Diskussion entschließen wir uns dazu, die Treppe zu nehmen. Denn laut Anders würden wir da auf weniger Nachtelben treffen und außerdem ginge die Kraft ja von der Spitze aus. Im zweiten Stockwerk können wir diese allerdings nicht mehr weiter nehmen. Eine elektronisch gesicherte Tür versperrt den Weg. Tom ist sehr aufgebracht darüber. << Also die haben noch Elektrizität! Was für eine Unverschämtheit! >>

<< Nun, was haben wir denn da? Besuch? Ich habe zwar keinen Besuch erwartet, aber komm doch rein. >> Eine laute Stimme erklingt vom Ende des Ganges, in den das Treppenhaus mündet. Schnell suchen wir nach einem Versteck, finden aber keins. Also flüchten wir uns in die erste, nicht elektronische Tür. Felina, die ja nur dem Versorgungstrupp angehört, fragt verzweifelt: << Was machen wir denn jetzt? >>

Anders hat die Situation unter Kontrolle. << Immer mit der Ruhe. Was haben wir denn an Werkzeug mit? >> Er kramt in seinem Rucksack und befördert ein Seil zu Tage. Danach holt er noch einen Hammer heraus. << Wenn er allein ist, kann er uns vielleicht nützlich sein. Wir machen ihn bewusstlos und fesseln ihn. Sobald er wieder aufwacht, wird er uns alles verraten, was wir brauchen. >> Schon geht er zur Tür und lugt heraus. Ein einzelner Nachtelb steht an der Treppe und guckt sich um. Als er sich auf den Rückweg macht, schließt Anders hastig wieder die Tür. Nachdem die Schritte an der Tür vorbei sind, öffnet er sie wieder und springt auf den Elben zu. Dabei muss man beachten, dass Heinzel natürlich sehr viel kleiner als Elben sind, also trifft der angepeilte Hammerschlag nur die Beine. Der Nachtelb knickt ein und stürzt zu Boden. Anders fällt ihm hinterher. Sofort rennen auch wir anderen drei auf die beiden am Boden Liegenden zu und schmeißen uns auf den Nachtelben. Während ich auf ihm sitze, fesseln Tom und Felina ihn. Wir drehen ihn auf den Rücken. Da steht Anders auch wieder auf.

<< Siehst du diesen Hammer? Wenn du schreist, bekommst du einen Kuss von ihm. Und das verkraften deine zarten Elbenzähnchen nicht. Also schön brav kooperieren. >> Er hält den Hammer bedrohlich über dessen Gesicht.

<< Was wollt ihr hier? Damit werdet ihr niemals durchkommen! Und jetzt befreit mich wieder, ihr mickrigen Heinzelmännchen! >>

<< Wir sind nicht mickrig und nicht nur Heinzelmänner, wenn ich bitten darf! >> Felina wirkt entrüstet. << Wenn du nun die Freundlichkeit besitzen würdest, uns zu verraten, wie wir diesen Turm unschädlich machen und wie wir die Dunkelheit vertreiben, wären wir dir sehr dankbar. Andernfalls…>>, sie unterbricht ihren Satz, holt aus ihrem Rucksack eine Säge und spricht betont weiter << anderenfalls werden wir wohl so lange an dir herum sägen, bis du genau so groß bist, wie wir. >>

Der Nachtelb lacht uns aus. << Ihr Kinder wollt mir drohen? Da müsst ihr aber früher aufstehen. >>

Er erhält einen Hammerschlag auf den Brustkorb, der ihm den Atem raubt. << Ich glaube, er hat es noch nicht verstanden. Felina und Tom, seid doch so gut und fangt bei seinen Zehen an. Die wird er wohl nicht mehr brauchen. >> Ich spreche absichtlich mit tiefer Stimme, um meine Worte härter klingen zu lassen. Dabei habe ich mächtig Angst, dass jeden Moment ein weiterer Wächter um die Ecke kommt. Aber meine Worte scheinen bei ihm angekommen zu sein. Die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben, als er endlich redet.

<< Ist ja gut, ist ja gut. Nicht meine Zehen. Ich sag’s euch ja! Ihr müsst in das obere Stockwerk. Dort steht eine Maschine. Diese bündelt die Vulkanasche über Köln. Aber ihr werdet es niemals schaffen. Die anderen vier Türme sind viel besser gesichert als dieser. >>

<< Und wie kommen wir nun in das Stockwerk? Bring uns hoch. >> Anders hebt drohend den Hammer ein Stückchen an.

<< Nur ein Nachtelb kann die Tür öffnen. Man braucht einen Fingerabdruck. >>

<< Gut, aufstehen. >> Wir treten Beiseite. Kaum hat er sich allerdings erhoben, versucht er auch schon wegzurennen. Tom schmeißt sich als Stolperstein in den Weg und die Füße des wieder zu Boden gefallenen Nachtelben werden ebenfalls gefesselt. Er merkt, dass er keine Chance mehr hat und hopst zu der Tür, um sie für uns zu öffnen. Als wir alle hindurch sind und die Tür sich schließt, springt unser Gefangener aber zurück und macht uns damit zu Gefangenen. Hinter der Tür hören wir ihn nach Verstärkung rufen. Ich habe eine Idee.

<< Anders, kletter auf meine Schultern und zerstör die Elektronik der Tür. Das wird sie zumindest etwas länger aufhalten. >>

Nachdem der Türöffner unbrauchbar gemacht wurde, erklimmen wir die Treppe und finden uns im Dachgeschoss des Turmes wieder. In der Mitte des Raumes ist eine riesige Maschine und darüber schwebt Vulkanasche aus einem Loch in der Decke.

<< Na wunderbar. Wie sollen wir denn diese Maschine unschädlich machen? Wir Heinzel reparieren doch, wir zerstören nicht.. >> Anders lässt den Hammer sinken und setzt sich niedergeschlagen auf den Boden. Tom allerdings nimmt sich Anders’ Rucksack vor und entdeckt scheinbar etwas Nützliches. << Schaut mal her. Eure Auftraggeber waren gar nicht dumm. Ihr habt eine gehörige Portion Sprengstoff in euren Rucksäcken. Damit sollte es doch ein Leichtes sein, die Maschine zu vernichten! >> Er holt mehrere Pakete Plastiksprengstoff aus dem Rucksack und bringt diesen rundum an den Seiten der Maschine an. Bevor er zünden kann, klingelt mein Handy.

<< Hallo Purzel, ich bin es, Wackel. Ihr bekommt Besuch, gerade sind zehn Elben in den Turm gestürmt. Macht euch so schnell wie möglich vom Acker! >>

<< Wackel, wir versuchen, oben aus dem Dach zu klettern. Hier ist eine riesige Maschine, die wir sprengen werden. Dann rennen wir über das Feld zu dir. Hoffentlich geht alles gut. Wenn du uns kommen siehst, starte den Motor, es wird gefährlich! >>

<< Alles klar, viel Glück, ich warte auf euch! >>

Ich packe mein Handy wieder in die Tasche und suche in meinem Rucksack nach einer Lösung, wie wir vom Dach möglichst unbeschadet wieder auf den Boden kommen. Leider finde ich kein Seil. << Wir haben ein Problem. Wie kommen wir vom Dach herunter? >>

Felina hat einen Plan: << Na wir haben doch die Sprengschnur. Wenn wir diese noch ein bisschen verlängern, sollte sie lang genug sein. Wir wiegen doch fast nichts. >>

Anders und ich nehmen also unsere Hemden und knoten diese an die Leine, die Tom in der Hand hält. Während wir schon Fußgetrappel auf der Treppe hören, klettern wir auf die Maschine und durch die Asche an die Luft und lassen uns einzeln an der Leine ab. Diese reicht nicht bis zum Boden, so dass einer nach dem anderen einen schweren Sturz hinnehmen muss. Ich bin der letzte. Bevor ich die Leine loslassen kann, ruft mir Tom zu, dass ich doch gefälligst die Leine anzünden sollte. Während ich also einhändig im Rucksack krame, steckt schon der erste Nachtelb seinen Kopf aus der Dachluke. Als die Schnur endlich Feuer fängt, verbrenne ich mir leicht die Hand und falle am Turm herunter. Glücklicherweise fangen mich meine Gefährten auf. Wir rennen vom Turm weg und hören in unserem Rücken eine starke Explosion. Trotzdem rennen wir weiter und verschnaufen erst, als wir bei Wackel im Auto sitzen. Während er losfährt, sehen wir die Ausmaße der Explosion. Der Turm steht lichterloh in Flammen und vom oberen Stockwerk steht nichts mehr. Zwischen den Rauchschwaden kann man erkennen, dass sich die Asche langsam verstreut und nicht mehr fest gebündelt ist.

<< Ein Glück, dieses Abenteuer ist überstanden! >> Ich wische mir die Asche aus meinem Gesicht. << Wir können aber noch nicht zurück. Was denken denn die anderen, wenn wir nur einen Turm zerstört haben? >> Anders bremst meine Euphorie.

Wackel erklärt uns dann, wie er seine Wartezeit verbracht hat: << Keine Sorge. Ich wollte ja auch an dieser Aktion teilhaben. Also habe ich den Widerstand angerufen und ihnen die Situation erklärt. Sie wissen dank euch jetzt, wie man an die Türme heran kommt und wie die Asche gelöst werden kann. Mit gefangenen Nachtelben sind sie schon auf dem Weg zu den anderen Türmen und ihr könnt sorglos heim kehren. >>

<< Wackel, du bist ein echter Held! >> Felina drückt ihm einen Kuss auf die Wange. Während Wackel ziemlich rot anläuft, sind wir also auf dem Heimweg von unserem kurzen Abenteuer. Als wir noch im Dunkeln wieder bei der Zentrale unter dem Bahnhof ankommen, müssen wir Stundenlang den genauen Hergang schildern und schlafen dabei ein. Nach dem Aufwachen steht eine riesige Traube von Heinzeln um uns herum und feiert unsere Gruppe. Auf unsere Nachfragen werden wir nur hochgehoben und nach draußen getragen. Dort lacht uns direkt die Sonne entgegen und wir machen auch bei dem Straßenfest mit. Als unser Vorsitzender später eine Rede hält, erzählt er von unseren Heldentaten und verkündet, dass die ersten Menschen schon wieder auf dem Weg in ihre alte Heimat sind. Und was soll ich sagen. Wir haben tatsächlich die Prüfung zum anerkannten Heinzel bestanden, Felina, Wackel und Tom natürlich ebenfalls. In Zukunft werde ich nicht mehr verschlafen durch mein dunkles Zimmer stolpern.

Autor: Florian Siebertz